Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit Ihrer Familie zu einem Ausflug ins Grüne. Sie kommen heim und stellen einen Einbruch fest. Jemand hat sich ohne Ihr Wissen Zutritt zu Ihren persönlichen Dingen verschafft. Was Sie belastet, ist der Verlust der gestohlenen Gegenstände, aber hauptsächlich stören Sie sich an dem Eingriff in Ihre Privatsphäre. Zum Schutz vor Einbruch gibt dieser Ratgeber einfache Tipps, die für jeden umsetzbar sind.
Warum Einbruchschutz heute wichtiger denn je ist
Die Anzahl der Menschen mit Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze steigt. Im Februar 2026 bezifferte Destatis diese mit 16,1 Prozent der deutschen Bevölkerung. Das ist ein Anstieg von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 21,2 Prozent der Bevölkerung sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.
Mit der Armut steigt das Risiko von Einbrüchen, denn ein geringes Einkommen und Kriminalität hängen oft zusammen. Um dem Teufelskreis von Armut und sozialer Ausgrenzung zu entgehen, überwinden einige Betroffene die Hemmschwelle und lassen sich zu Einbrüchen und anderen Diebstahlsdelikten hinreißen. Deshalb ist der Einbruchschutz heute wichtiger denn je.
Typische Schwachstellen in Wohnungen und Häusern
Zunächst sollten Sie die typischen Schwachstellen in Ihrem Zuhause identifizieren. Finden Sie diese, machen Sie es den Einbrechern schwer, in Ihr Haus oder in Ihre Wohnung einzudringen. Leisten Sie indirekten Widerstand, benötigt ein Einbruch mehr Zeit und mehr Energie. Zudem benötigen sie zusätzliche Werkzeuge, um alle Hürden zu überwinden. Einbruchschutz schreckt potenzielle Täter ab, denn sie fürchten, durch Nachbarn oder durch die Polizei entdeckt zu werden.
Einfach machen Sie es Einbrechern jedoch, wenn Sie ihnen den Schlüssel bereitstellen. Eine schlechte Idee ist es, diese unter Blumentöpfen oder der Tür nahen Steinen zu verstecken. Ebenso empfiehlt es sich nicht, Fußmatten, Schuhe oder draußen stehende Stiefel dafür zu nutzen. Auch oberhalb der Tür hat der Schlüssel nichts verloren.
Die größte Schwachstelle einer Wohnung oder eines Hauses ist die Tür, denn über diese geschehen fast die Hälfte aller Einbrüche. Sie ist ungesichert mit körperlicher Gewalt einfach aufzubrechen. Weitere Schwachstellen sind ungesicherte Fenster und offenstehende Balkon- und Terrassentüren.
Einen zusätzlichen Risikofaktor stellen ungesicherte Rollläden dar. Vergessen Sie bei der Identifizierung der Schwachstellen in Ihrem Haus oder in Ihrer Wohnung nicht, den Keller zu sichern. Besitzen Sie eine Garage, schenken Sie auch dem Garagentor Ihre Aufmerksamkeit, denn viele Garagentore lassen sich leicht öffnen. Riskant ist dieses, wenn durch die Garage die Wohnung betreten werden kann.
Denken Sie bei Ihrer Suche nach Schwachstellen in Ihrem Haus auch an das Dach. Einbrecher nutzen Leitern, Mülltonnen und andere Kletterhilfen, um in die oberen Geschosse und aufs Dach zu gelangen.
Schutz vor Einbruch – einfache Tipps für Jeden!
Nachdem Sie die Schwachstellen in Ihrer Wohnung oder in Ihrem Haus identifizieren konnten, können Sie damit beginnen, Ihr Heim sicherer zu machen. Starten Sie mit der Eingangstür.
Türen richtig sichern
Einbrecher haben es schwer, wenn Sie sich richtig verhalten. Deshalb sollten Sie, wenn Sie die Wohnung nur kurzzeitig verlassen, die Tür zweimal abschließen. Zweitschlüssel gehören in die Hände einer vertrauenswürdigen Person und nicht unter die Fußmatte oder in oder unter Blumentöpfe.
Besitzen Sie eine Glastür, lassen Sie den Schlüssel niemals von innen im Schloss. Dies könnte Einbrecher dazu verleiten, das Glas aufzuschneiden oder einzuwerfen, um an die Schlüssel zu gelangen. Verlieren Sie den Schlüssel, ist es zwingend erforderlich, sofort den Schließzylinder auszutauschen.
Bauen Sie neu oder sanieren Ihr Haus oder Ihre Wohnung, empfiehlt die Polizei den Einbau einer geprüften einbruchhemmenden Tür nach DIN EN 1627 mit einer Mindest-Widerstandsklasse (RC) 2. Dieses sollten unbedingt Fachleute erledigen, damit der Einbruchschutz seinen Zweck erfüllen kann. Verlangen Sie anschließend eine Montagebescheinigung.
Sanieren Sie nicht, können Sie die alte Tür nachrüsten. Achten Sie darauf, dass sämtliche Teile der Tür aufeinander abgestimmt sind und fachgerecht eingebaut werden. Die Zargen müssen fest mit dem Mauerwerk verbunden sein. Verankern Sie die verlängerten drei Millimeter starken Schließbleche im Mauerwerk, haben Sie das Wesentliche vollbracht, um einen Einbruch zu erschweren. Der Falz zwischen Flügel und Rahmen darf auf Schlossebene nicht mehr als fünf Millimeter messen. Zudem empfiehlt die Polizei Bandsicherungen, um das Aufhebeln im Bandbereich zu verhindern.
Zu einer einbruchsicheren Tür gehört ein einbruchhemmendes Schloss nach DIN 18251. Die Profilzylinder sollten der DIN 18252 entsprechen und mit Bohrschutz eingebaut werden. Zusätzlich brauchen Sie für eine sichere Tür einen Schutzbeschlag mit Zylinderabdeckung nach DIN 18257. Eine Mehrfachverriegelung erhöht den Schutz.
Ferner schützen Sie Ihre Wohnung mit Zusatzschlössern und Sperrbügeln, denn Letzterer verhindert ein Aufstoßen der Tür. Diese geht nur einen Spalt breit auf, sodass Sie sehen können, wer davorsteht. Ein Querriegelschloss bietet einen ausreichenden Schutz, wenn die Schließkästen im Mauerwerk fest verankert werden. Öffnen Sie die Tür nur mit vorgelegtem Sperrbügel. Zudem empfiehlt es sich, einen Türspion mit einem Weitwinkel von mindestens 180 Grad einzubauen. Nutzen Sie zudem eine Türsprechanlage, erhöhen Sie Ihre Sicherheit.
Fenster und Balkontüren effektiv absichern
Wie die Eingangs- und Kellertüren sollten Sie die Fenster und Balkontüren vor Einbruch schützen. Dazu gehört ihr fachgerechter Einbau. Es versteht sich von selbst, dass Sie bei einem Neubau und Umbau auf geprüfte einbruchhemmende Fenstertüren wie Balkon- und Terrassentüren zurückgreifen. Ebenso sollten Sie Fenster einbauen, die der DIN EN 1627 mit mindestens der Widerstandsklasse RC 2 entsprechen. Wie die Eingangstüren stellen die Hersteller sie aus einem Guss her. Das bedeutet, dass die Gesamtkonstruktion, die aus einem Rahmen, dem Beschlag undder Verglasung besteht, keine Schwachpunkte aufweist. Weniger Widerstand leisten Fenster und Türen der Klasse RC2 N ohne Sicherheitsverglasung.
Bauen Sie nicht neu oder um, können Sie Ihre Fenster mit einbruchhemmenden Fensterbeschlägen nach DIN 18104 nachrüsten. Den Schutz verstärken Sie mit abschließbaren Fenstergriffen.
Zusätzlich können Sie Ihre Fenster und Fenstertüren mit Fensterstangenschlössern, Zusatzkastenschlössern und Bändersicherungen sichern, die Sie oder besser ein Fachbetrieb an mindestens der Griff- und der Bandseite anbringt. Zudem bieten einbruchhemmende Verbundsicherheitsgläser nach DIN EN 356, die mindestens der Widerstandsklasse P 4 A entsprechen, einen größeren Schutz als Isolierverglasungen.
Fenster, die Sie häufig auf Kipp stellen, sollten Sie mit einem einbruchhemmenden Fenstergitter nach DIN 1627 mit der Widerstandsklasse RC 2 oder höher ausrüsten. Vergessen Sie nicht, die Rollläden einbruchhemmend nachzurüsten.
Beleuchtung als einfache Abschreckung nutzen
In der Dunkelheit halten sich Einbrecher von Häusern fern, deren Eingangsbereiche und Zugangswege gut beleuchtet sind. Die Gefahr der Entdeckung durch Passanten und Nachbarn ist zu groß. Sobald sich jemand der Tür nähert, sollte mithilfe eines Bewegungsmelders der Bereich ausreichend ausgeleuchtet werden. Es empfiehlt sich, Versteckmöglichkeiten und Kletterhilfen aus dem Bereich zu entfernen.
Anwesenheit clever vortäuschen – auch im Urlaub
Fahren Sie in den Urlaub, empfiehlt es sich, Angehörige, Nachbarn oder Freunde darüber zu informieren. Beauftragen Sie diese, den Anschein von Anwesenheit zu simulieren. Möchten Sie niemanden in Ihre Wohnung lassen, hält die smarte Technik Lösungen parat. Automatisch werden zu gewohnten Zeiten die Rollläden geschlossen und wieder geöffnet und das Licht ein- und ausgeschaltet. Zudem können Sie simulieren, dass Sie fernsehen.
Außerdem sollten Sie darauf verzichten, auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht zu hinterlassen, die darüber informiert, dass Sie sich längere Zeit nicht in der Wohnung befinden. Auch Menschen in den sozialen Netzwerken geht es nichts an, wann und wohin Sie in Ihrer freien Zeit reisen. Einbrecher achten auf Kleinigkeiten wie einen nicht geleerten Briefkasten. Quillt dieser über, nehmen sie an, dass Sie verreist sind.
Nachbarschaftshilfe: Gemeinsam sicherer wohnen
Die Polizei weiß, wie wichtig die Mithilfe von Nachbarn ist, wenn es um den Einbruchschutz geht. Deshalb empfiehlt sie, einen guten Kontakt zur Nachbarschaft zu halten und auch das Thema Sicherheit anzusprechen. Den Anfang machen Sie, wenn Sie Telefonnummern austauschen.
Bei längerer Abwesenheit können Sie Nachbarn bitten, Ihren Briefkasten zu leeren. Geben Sie vertrauenswürdigen Personen vorübergehend Zugriff auf Ihren smarten Einbruchschutz.
Beobachten Sie Ihre Umgebung und achten Sie auf Personen, die sich auf fremden Grundstücken aufhalten. Die Polizei rät, diese direkt anzusprechen. Fragen Sie auch Ihren Nachbarn, ob sie diese Person kennen und was sie wollten. Damit helfen Sie besonders älteren Menschen, denn diese sind die bevorzugten Opfer von Einbrechern.
In Mehrfamilienhäusern sollten Sie die Eingangs- und Kellertüren stets geschlossen halten. Öffnen Sie diese nur, wenn Sie wissen, wer davorsteht.
Treiben sich verdächtige Personen in Ihrer Nachbarschaft herum oder klingeln diese bei mehreren Mietparteien? Das kann ein Hinweis darauf sein, dass Einbrecher auskundschaften, wann wer zu Hause ist.
Verdächtig sind zudem Personen, die sich scheinbar grundlos in einem geparkten Fahrzeug aufhalten. Stehen diese Schmiere bei einem Einbruch? Flackerndes, abgeschirmtes Licht aus dem Nachbarhaus kann ein Indiz für einen Einbruch sein. Auch wenn Sie wissen, dass Nachbarn abwesend sind, und Sie hören ein Hämmern oder Bohren, verständigen Sie die Polizei. Diese kümmert sich, wenn Einwohner verdächtige Aktivitäten bemerken.
Einbruchschutz mit kleinem Budget umsetzen
Haben Sie ein kleines Budget, können Sie dennoch Ihr Zuhause vor Einbruch schützen. Manches kostet gar nichts. Es ist etwa ratsam, Einbruchshilfen von Ihrem Grundstück zu entfernen. Dies betrifft Mülltonnen, herumliegende Leitern oder Gegenstände, die sich eignen, um Türen aufzubrechen.
Zudem sind einfache Zusatzschlösser für Türen sowie Pilzkopfverriegelungen und abschließbare Fenstergriffe geeignet, um Einbrechern das Aufhebeln zu erschweren. Mithilfe von Zeitschaltuhren, die Sie für wenig Geld kaufen, simulieren Sie Ihre Anwesenheit. Damit steuern Sie die Stereoanlage oder das Licht.
Effektiven Schutz bieten Kamera- und Sirenen-Attrappen. Sind diese mit blinkenden LEDs ausgestattet, sehen sie den Originalen täuschend ähnlich. Zumindest Gelegenheitsdiebe lassen sich davon abhalten, Profis schrecken sie nicht ab. Zudem bieten Türsprechanlagen mit Videokamera einen Schutz vor unberechtigtem Zutritt.
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