Besitzen Sie ein Auto, haben Sie bestimmt schon von einer Türverriegelung mit Bowdenzug gehört. Durch dieses System ist es möglich, dass Sie Ihre Türen aus der Ferne schließen und entriegeln können. Schloss und Türgriff können deshalb voneinander entfernt liegen.
Diese Form der Türverriegelung ist jedoch auch im Bauwesen zu finden. In diesem Ratgeber lesen Sie, was eine Türverriegelung mit Bowdenzug ist und wie sie funktioniert. Zudem erfahren Sie, in welchen speziellen Bereichen sie eingesetzt wird und welche Vor- und Nachteile sie hat.
Was ist eine Türverriegelung mit Bowdenzug?
Eine Türverriegelung mit Bowdenzug entriegelt und verriegelt eine Tür mit einem mechanischen System aus der Ferne. Die Kraft wird dabei über einen Bowdenzug übertragen. Das Schloss und der Griff befinden sich voneinander entfernt.
Funktionsweise einfach erklärt
Ein Bowdenzug ist ein flexibles Zugseil, in dessen Innerem sich ein Seil oder ein beweglicher Draht befindet. Dieses ist mit einer äußeren festen Hülle ummantelt. Der Bowdenzug funktioniert ähnlich wie bei einem Fahrrad die Bremse. Betätigen Sie diese am Lenker, ziehen Sie dadurch an einem dünnen Stahlseil. Das Seil ist so flexibel, dass es um Kurven laufen kann. Dabei geht keine Kraft verloren, weil es ummantelt ist. Die Bremsbacken am anderen Ende des Seils ziehen sich zusammen. Lösen Sie die Bremse, gehen die Bremsbacken in ihre Ausgangsposition zurück.
Stellen Sie sich nun dieses Prinzip bei Türen vor, bei denen der Türgriff und der Schließmechanismus voneinander entfernt liegen. Betätigen Sie den Griff oder eine Panikstange, bewegen Sie dadurch im Inneren des Gehäuses einen Hebel. Dieser ist mit dem Stahlseil im Inneren des Bowdenzugs verbunden und zieht sich durch die Bewegung in den äußeren Schlauch hinein. Diese Hülle ist an beiden Enden fixiert, sodass der Bowdenzug nicht verrutschen kann.
Am anderen Ende des Bowdenzugs befindet sich das Schloss oder eine Mehrpunktverriegelung. Tritt das Seil aus, zieht es an einem Hebel, der die Schlossfalle zurückzieht. Bei einer Mehrpunktverriegelung sind es die zurückgezogenen Zusatzriegel,um die Tür freizugeben.
Tipp: Wenn Sie einen Bowdenzug kaufen, achten Sie unbedingt auf Kompatibilität, Qualität und korrekte Maße.
Typische Einsatzbereiche
Türverriegelungen mit Bowdenzügen finden Sie typischerweise in öffentlichen Gebäuden wie Krankenhäusern, Schulen und Kinos. Dort werden Panik- und Fluchttüren mit horizontalen Panikstangen ausgestattet. Diese sind fast so breit wie die Tür. Das Schloss sitzt an der Seite. Die Tür öffnet sich auch dann, wenn jemand nur an einer Seite auf die Stange drückt.
Zudem finden sie in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen ihren Einsatz. Denn dort ist es notwendig, dass die Griffe tiefer liegen als das Schloss, damit Rollstuhlfahrer den Griff mühelos erreichen können.
Außerdem werden Sicherheitstüren mit Mehrfachverriegelungen mit Bowdenzügen versehen. Sie verhindern durch ihre Funktion, dass Nutzer der Tür nicht mehrere Schlösser einzeln drehen müssen.
Überdies finden Sie Türverriegelungen mit Bowdenzügen in modernen Bürogebäuden vor. Die dort verbauten Türen neuester Generation besitzen Verriegelungen mit Bowdenzügen, weil in den schmalen Profilen aus Glas oder Aluminium kein Platz für dicke Metallstangen ist. Bowdenzüge verschwinden dagegen unsichtbar hinter den schmalen Türprofilen. Typisch ist diese Technik zudem bei Fahrzeugen, denn auch in Fahrzeugtüren ist wenig Platz für sperrige Gestänge.
Ferner kommen Türverriegelungen mit Bowdenzügen im Möbelbau für Möbelklappen, Sitzbankverriegelungen und Staufachdeckel vor. Zudem werden Modul- und Containertüren damit ausgestattet. Weitere Einsatzgebiete sind Lüftungs- und Serviceklappen in Fassaden und Dächern. Auch Boots-/Yachttüren, Luken und Klappen sind oft mit dieser Technik ausgestattet.
Hinweis: Bei Brandschutztüren ist eine nachträgliche Ausrüstung aus Sicherheitsgründen nicht zulässig. Wird eine Türverriegelung mit Bowdenzug dennoch eingesetzt, brauchen Sie eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung.
Vorteile und Nachteile im Überblick
Bowdenzüge besitzen mehrere Vorteile. Zunächst sind sie wegen ihrer Flexibilität gefragt. Dadurch ist es möglich, den Griff an einer anderen Stelle zu positionieren als das Schloss. Komplexe Betätigungsmechanismen lassen sich auf kleinem Raum unterbringen.
Die Montage von Türverriegelungen ist einfach, denn die Bowdenzug-Systeme sind überwiegend mit Kunststoffclips ausgestattet. Außerdem spielt ihr Gewicht eine Rolle, denn Bowdenzüge sind leichter als starre Verriegelungsstangen.
Bowdenzüge haben jedoch auch Nachteile, denn sie sind kälteempfindlich. Sie fallen aus, wenn Feuchtigkeit in die Türverriegelung dringt und diese gefriert. Der Griff geht dann leer durch. Zudem besteht die Gefahr mechanischer Schwächen, sodass diese nicht mehr ordnungsgemäß funktionieren. Es kommt deshalb häufig zu Rückrufaktionen. Zudem besteht das Risiko des Verschleißes, was die Gefahr birgt, dass sie später reißen.
Wann ist diese Lösung sinnvoll?
Türverriegelungen mit Bowdenzügen sind dann sinnvoll, wenn starre Stangen nicht verbaut werden können. Dies trifft bei einem geringen Platzangebot, beispielsweise in Autotüren, zu. Zudem sind sie ideal bei Türen, die vibrieren, denn starre Gestänge übertragen diese vom Schloss auf den Türgriff, mit der Folge, dass diese gegen das Blech klappern. Bei Autotüren bieten sie Schutz vor Einbrüchen durch Manipulation. Es ist schwieriger, die Tür durch Angeln mit einem Draht zu öffnen.
Zudem ergeben diese Schließsysteme Sinn in öffentlichen Gebäuden und überall dort, wo Barrierefreiheit gefordert ist. Fällt der Strom beispielsweise bei Brandschutz-, Rauchschutz- oder bei Schleusentüren im Krankenhaus aus, können Mitarbeiter, Patienten und Besucher die Türen dennoch durch dieses mechanische System notentriegeln.
Fazit
Türverriegelungen mit Bowdenzügen werden standardmäßig in Fahrzeugen wie Personenkraftwagen, Wohnmobilen und Kraftfahrzeugen mit Schiebetüren verbaut. Doch kommen sie auch im Bauwesen vor. Zu finden sind sie vorwiegend in öffentlichen Gebäuden, in modernen Bürogebäuden sowie bei Sicherheitstüren mit Mehrfachverriegelung. Sie dienen dazu, Distanzen zwischen Schloss und Griff flexibel zu überbrücken. Dies ist besonders bei barrierefreien Bauten wichtig, wo Türgriffe niedriger als das Schloss angebracht werden. Dadurch ist es Rollstuhlfahrern möglich, die Tür bequem zu öffnen oder zu schließen. Ungeeignet sind sie für hochbelastete Türsysteme und bei Außentüren ohne Wetterschutz.
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